BOCHUM – HERNE

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Bis auf die Eisenbahnverbindung von Bochum über Riemke nach Herne durchzogen nahezu alle Eisenbahnlinien das mittlere Ruhrgebiet von Westen nach Osten. Der Verkehr von Süden nach Norden, insbesondere von Bochum über die neue Chaussee nach Herne, wurde zunächst von der Personenpost, später von privaten Unternehmen mit Pferdeomnibussen bedient. Vier bis fünf Fahrten täglich bot in den letzten Jahren des Verkehrs  mit Pferdeomnibussen der Bochumer Haudereibesitzer Fork an. Die relativ kleinen Wagen konnten der Nachfrage jedoch kaum gerecht werden.

Bereits zu Beginn der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts setzten sich Kommunalpolitiker und Unternehmer für eine leistungsfähige Nahverkehrsverbindung von Bochum nach Herne ein.

Anders als in Gelsenkirchen, wo bereits im März 1879 ein vielseitig engagierter lokaler Unternehmer der Stadt vorschlug, eine Pferdebahn zwischen Schalke und Wattenscheid zu bauen. Eine vergleichbare privatwirtschaftliche Initiative gab es 1881 auch in Bochum. Das Projekt wurde jedoch nicht weiterverfolgt.

Vor diesem Hintergrund ergriffen Stadt und Landkreis sowie die Provinz Westfalen selbst die Initiative. Sie gründeten ein Straßenbahn-Konsortium, das unter der Leitung des Bochumer Landrates Carl Albert Spude (1852 – 1914) mit zwei bereits erfahrenen und potentiell auch interessierten Straßenbahn-Unternehmen Gespräche bezüglich des Baus einer elektrischen Straßenbahn von Bochum nach Herne aufnahm:

Ein Gesprächspartner war die 1879 in Berlin gegründete Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein (1834 – 1908). Das Eisenbahnkonsortium unter dem Vorsitz der Darmstädter Bank bemühte sich um die Konzession für ein weitverzweigtes, elektrisch betriebenes Straßenbahnnetz in den Kreisen Essen, Gelsenkirchen, Bochum-Stadt und Bochum Land. Im Mai 1892 hatte die Investorengruppe einen Vertrag mit dem Landkreis Essen geschlossen, der das Unternehmen zum alleinigen Bau von Straßenbahnen im Landkreis Essen bevollmächtigte.

Der zweite Gesprächspartner war die Firma Siemens & Halske in Beriln. Das 1847 als Telegraphen Bau-Anstalt von Werner Siemens in Berlin gegründete Unternehmen hatte 12. Mai 1881 in Groß-Lichterfelde bei Berlin die erste elektrische Straßenbahnstrecke eröffnet – und sich seither mit weiteren Referenzprojekten eine gute Reputation aufgebaut.

Um nicht mit der parallel verlaufenden Eisenbahn in Konflikt zu geraten – als Konkurrenz wurde die Straßenbahn bereits angesehen, wenn sie mehr als 200 Meter neben der Eisenbahn herlief – plante man unter Beachtung der Regelungen des Kleinbahngesetz von 1892 eine ausschließlich für den Personenverkehr bestimmte Kleinbahn (Straßenbahn). Diese sollte ihren Fahrweg über bzw. am Rand bereits bestehender Straßen nehmen.Um jeglichem Gedanken bezüglich einer Konkurrenz zur Eisenbahn aus dem Weg zu gehen, wurde für das Bochumer Projekt eine Spurweite von 1000 mm festgelegt.

Das Eisenbahnkonsortium rund um die Darmstädter Bank stand zwar kurz vor der Eröffnung der ersten elektrisch betriebenen Straßenbahnstrecke in Essen, hatte aber nicht die Erfahrung, die Siemens & Halske vorweisen konnte.

Am Ende war es Landrat Spude der den Ausschlag gab, beim Aufbau eines Straßenbahnnetzes mit Siemens & Halske zusammenzuarbeiten. Im Juni 1993 erhielt Siemens & Halske die Konzession einer Straßenbahnstrecke von Bochum nach Herne und einer zweiten Straßenbahnstrecke von Bochum nach Wattenscheid.

Da Spude sicherstellen wollte, dass die Bochumer Linie in Wattenscheid problemlos mit dem in Gelsenkirchen geplanten Straßenbahnnetz verbunden werden konnte, setzte er sich bei seinem Gelsenkirchener Kollegen Dr. Wilhelm Hammerschmidt (1859 – 1924) dafür ein, dass Siemens & Halske auch dort die Konzession für den Bau und Betrieb erhielt – was am 2. Dezember 1893 auch geschah.

Das Titelbild zeigt die Triebwagen 3 der Straßenbahn Bochum – Herne mit den Herner Ehrengästen an der Kreuzkirche (Siemens Historical Institute). Im Detail schildert das folgende Kapitel den Eröffnungstag der neuen Nahverkehrs-Verbindung.