NACH GERTHE

Herne hatte sich seit dem Bau der Chaussee von Bochum über Riemke nach Herne (1839 bis 1841) und der Eröffnung der Eisenbahnlinien vor allem im Norden zu einer Industriestadt entwickelt. Die sogenannte Herner Mark, ein Gebiet zwischen Herne, Castrop und Gerthe, bewahrte dagegen ihren ländlichen Charakter. Der Hauptverkehrsweg von Herne zu den Gemeinden Gerthe und Hiltrop, die heutige Wiescherstraße, war kaum mehr als ein breiterer Feldweg.

Das änderte sich schlagartig, als in den Jahren 1893 bis 1900 die Gewerkschaft Constantin der Große in der Herner Mark die Schachtanlage IV/V abteufte. Dort, wo sich die Straßen nach Hiltrop und Gerthe trennten, entstand eine Siedlung für die Bergleute, die Kolonie Constantin.

Die Eröffnung der Zeche und die Siedlung führten zu einer spürbaren Zunahme der Bevölkerung. Es bot sich an, eine besser ausgebaute Verbindung von der Herner Mark zum Stadtzentrum zu schaffen. Der Magistrat der Stadt Herne entschied sich deshalb, die Wiescherstraße im Laufe des Jahres 1908 pflastern zu lassen.

Lebhaftes Interesse an den Neubürgern in der Kolonie Constantin zeigte auch die Straßenbahn Herne – Sodingen. Am 24. August 1907 beschloss der Verwaltungs-Ausschuss, zu prüfen, ob das Unternehmen durch die Angliederung einer Straßenbahnlinie von Herne zur Kolonie Constantin sinnvoll erweitert werden könne.

Am 12. November 1907 wurden die dazu ausgearbeiteten Pläne dem Magistrat der Stadt Herne vorgelegt. Die Strecke sollte am Kirchplatz in Herne von der Straßenbahn Herne – Sodingen abzweigen und von dort über die Wiescherstraße bis zur Kolonie Constantin IV/V verlaufen. Die Gesamtkosten für den Bau der 1,74 Kilometer langen Strecke wurden mit 135.000 Reichsmark veranschlagt.

Der Magistrat stimmte dem Bau zu. Doch abweichend vom ursprünglichen Plan sollte die Linie nicht als Teil der Strecke Herne – Sodingen sondern durch die Stadt gebaut und geführt werden. Diese Entscheidung wurde später von den Herner Stadtverordneten bestätigt. Man ging davon aus, dass die Stadt noch weitere Linien im Stadtgebiet bauen werde und dass die Linie zur Schachtanlage Constantin der Große IV/V in diesen rein städtischen Bahnen aufgehen könne.

Allerdings: Für die Abstellung der zu beschaffenden Straßenbahnwagen sollte der Betriebshof der Straßenbahn Herne – Sodingen gegen ein entsprechendes Entgelt genutzt werden.

Der Grundstein für die „Straßenbahn der Stadt Herne“ war gelegt.

Auf dem Beitragsbild sehen wir den auf die Auslieferung wartenden Triebwagen 1 der Straßenbahn der Stadt Herne auf dem Hof der Hamburger Waggonfabrik Falkenried. Die Linienschilder zur „Kolonie Constantin“ gehörten zum Lieferumfang (Waggonfabrik Falkenried – Archiv Hamburger Hochbahn AG).