NACH CASTROP

Wer heute die Stadt Herne besucht, wird die Omnibusse der „HCR“ bemerken. Das Unternehmen betreibt in Herne und Castrop-Rauxel 17 reguläre Stadtlinien, neun Verstärkerlinien und vier Nachtexpress-Linien. Damit ist die Straßenbahn Herne – Castrop-Rauxel GmbH in Herne ein wichtiger Player im öffentlichen Personennahverkehr.

Im Namen trägt die „HCR“ bis heute ihre Vergangenheit als kommunales Straßenbahnunternehmen.

STRASSENBAHN HERNE – SODINGEN

Die Initiative für den Bau einer Straßenbahn von Herne nach Sodingen hatte 1896 der erste Bürgermeister der Stadt Herne, Hermann Schäfer (1848 – 1932). Obwohl sein Plan innerhalb der Gemeinde und auch von den lokalen Gewerbetreibenden unterstützt wurde, scheiterte das Projekt: einige Landwirte waren nicht bereit, das für die Trassenführung erforderlich Land zur Verfügung zu stellen.

1904 griff Hermann Schäfer den Plan erneut auf. Inzwischen gab es bereits Straßenbahnverbindungen von Herne nach Bochum und Recklinghausen, die sich sehr gut entwickelt hatten. Und er war erfolgreich: Am 21. Juli 1905 stimmte die Herner Stadtverordnetenversammlung dem Plan zu.

Auch das noch junge Amt Sodingen konnte für das Projekt gewonnen werden: Der Amtsbezirk war am 1. April 1902 infolge der Auflösung des ehemaligen Amtes Castrop entstanden. Während sich Castrop, Obercastrop und Behringhausen zur Stadt Castrop zusammenschlossen, gründeten Börnig, Sodingen und Holthausen das anfangs noch als „Börnig-Sodingen“ bezeichnete Amt Sodingen. Einen weiteren Amtsbezirk bildeten die Gemeinden Rauxel, Habinghorst, Merklinde und Frohlinde.

GRÜNDUNG DER GESELLSCHAFT

Zwei Drittel der Baukosten für die neue Straßenbahnverbindung sollte die Stadt Herne tragen, ein Drittel die Gemeinde Sodingen. Gewinn und Verlust sollten den Gesellschaftern zu jeweils 50 Prozent zugeordnet werden. Zum Geschäftsführer der zu gründenden kommunalen Gesellschaft wählte der Verwaltungsausschuss der Straßenbahn Herne – Sodingen den Geschäftsführer des Städtischen Gaswerkes in Herne.

Am 1. August 1905 wurde die Straßenbahn Herne -Sodingen gegründet. Die Bauarbeiten für die Strecke wurden umgehend aufgenommen.

Im Hinblick auf eine spätere Zusammenarbeit mit den benachbarten Straßenbahnbetrieben – die Stadt Herne war bereits an der Straßenbahn Herne – Baukau – Recklinghausen finanziell beteiligt – wurde der Betrieb in Meterspur angelegt.

ERÖFFNUNG IM DEZEMBER 1906

Am 14. Dezember 1906 wurde die Straßenbahnstrecke landespolizeilich abgenommen. Die Eröffnung und die Betriebsaufnahme wurden am 20. Dezember 1906 gefeiert.

Das Titelbild dieses Beitrags, eine 1921 gelaufene Postkarte aus dem Verlag Franz Fust in Börnig-Sodingen (Sammlung Ludwig Schönefeld) zeigt einen Straßenbahnwagen der Straßenbahn Herne – Sodingen – Castrop am Denkmal in Sodingen.

Hier ein weiterer Blick auf die rechts im Bild sichtbare Häuserzeile und das auf der Südseite verlegte Straßenbahngleis (Verlag Hermann Lorch, Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld):

Das 1899 zu Ehren der Gefallenen aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 errichtete Denkmal sehen wir nachfolgend noch einmal aus einer 1923 publizierten Postkarte aus östlicher Richtung (Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld):

Auf der weiteren Fahrt zur Endstelle am Amtshaus Sodingen passierte die Straßenbahn den Eingang zur Zeche Mont Cenis. Dann folgten die Ausweiche Sodingen und auf der rechten Seite das bis heute erhaltene, markante Eckhaus zur Hochstraße (heute Max-Wiethoff-Straße), das wir auf der nachfolgenden Postkarte von 1923 sehen (Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld).