GEMEINSAM NACH BOCHUM

Deutsche Soldaten sprengten im Frühjahr 1945 die Brücke über den Rhein-Herne-Kanal, um den Vormarsch der Allierten aufzuhalten. Diese im Grunde nutzlose Zerstörung führte zu einer Unterbrechung der für die Menschen in Herne und Recklinghausen-Süd so wichtigen Direktverbindung von Herne nach Recklinghausen.

Nach dem die britische Armee eine Behelfsbrücke der Bauart Bailey errichtet hatte, konnte die Straßenbahn am 4. Oktober 1945 wieder in Betrieb genommen werden. Die Endstelle der aus Recklinghausen kommenden Straßenbahnzüge in Herne war die nach wie vor vorhandene Gleisanlage in der Vinckestraße.

Am 1. März 1950 wurde auch der Gemeinschaftsverkehr mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG wieder aufgenommen. Partner war jetzt die am 7. Februar 1940 aus der Vestischen Kleinbahnen GmbH hervorgegangene Vestische Straßenbahnen GmbH. Sie setzte bevorzugt ihre 1948 von der Düsseldorfer Waggonfabrik Düwag gelieferten Triebwagen des Aufbautyps ein (Triebwagen 327 bis 339) mit älteren Beiwagen ein.

WIEDERAUFNAHME DES GEMEINSCHAFTSVERKEHRS

Zugleich wurde der Gemeinschaftsverkehr im Süden über Hattingen nach Blankenstein – als Linie 8 – und Dahlhausen – als Linie 18 – ausgeweitet. Dabei kamen auf der Linie 8 ausschließlich Bochumer Straßenbahnwagen zum Einsatz, während die Vestischen Straßenbahnen die Linie 18 mit ihren Fahrzeugen verstärkte.

Im Jahresverlauf 1951 wurde der Gemeinschaftsverkehr aufgrund des Neubaus der Brücke über den Rhein-Herne-Kanal erneut unterbrochen. Die Bochumer Wagen fuhren bis zum südlichen Brückenkopf, die Wagen der Vestischen Straßenbahnen – nunmehr meist Altbau-Fahrzeuge – bis zum nördlichen Brückenkopf. Am 8. Mai 1955 war die Brücke fertiggestellt.

  • 1951 wurde der Straßenbahnverkehr an der Brücke über den Rhein-Herne-Kanal unterbrochen.
    Mit diesem Bild wurde die Baustelle am 18. April 1952 in den "Ruhr Nachrichten" angekündigt.
    Ruhr Nachrichten Bochum

WENIG VERÄNDERUNG

In den folgenden Jahren war die Gemeinschaftslinie als 8/18 ohne weitere Veränderungen des Linienweges unterwegs. Für den U-Bahn-Bau in Herne, der weitgehen mit offener Baugrube erfolgte, kam es aber 1972 immer wieder einmal zu kurzfristigen Unterbrechungen.

Da die Straßenbahn während der Bauphase vom Bahnhof über die Vinckestraße und die Schulstraße zur Kreuzkirche geführt wurde – und dort nach dem Abschluß des U-Bahn-Baus auch verblieb, waren die Einschränkungen für die Fahrgäste gleichwohl relativ gering.

Einen recht guten Eindruck vom unverwechselbaren Charakter der Städteverbindung von Recklinghausen nach Herne vermittelt die nachfolgende Zusammenstellung von Privataufnahmen und Postkarten aus den Jahren 1955 bis 1982:

  • Am 8. Mai 1955 dominieren Straßenbahnen im Vestischen Nahverkehr: Links die auf "8" und "18"
    eingesetzten Triebwagen der BOGESTRA, rechts Triebwagen 49 der Vestischen auf der Linie 3.
    Foto Dieter Höltge - Sammlung Stefan Höltge

Das Titelbild des Kapitels entstand am 9. April 1982 in Höhe der Haltestelle Weserstraße. Hier präsentierte sich die Strecke bis zur Einstellung des Straßenbahnbetriebes der Vestischen Straßenbahnen im Ausbauzustand von 1926.

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