HERNE – BAUKAU – RECKLINGHAUSEN

Die neue Strecke folgte der Route, auf der bereits seit 1888 viermal täglich der Pferdeomnibus unterwegs war: Sie begann am Viehtor in Recklinghausen. Von dort verlief sie in eingleisiger Seitenlage über die heutige Herner Straße, die heutige Bochumer Straße und die heutige Herner Bahnhofstraße bis zum Herner Bahnhof. An den Endstellen befanden sich großzügige Ausweichen.

Die Bahn durchquerte zunächst die sogenannte Hillerheide. Dabei passierte sie die dort angesiedelte Schachtanlage General Blumenthal (Förderbeginn 1879).

In Höhe der heutigen Kreuzung mit der Autobahn A 2 erreichte sie ein Gebiet, das ursprünglich „Bruch“ genannt wurde. Seit dem 1. Oktober 1904 trägt es die Bezeichnung „Recklinghausen-Süd“. Im Norden wird der Stadtteil, den auf ganzer Länge die Bochumer Straße durchzieht, von der Emscher begrenzt.

Das westliche Wohngebiet von Recklinghausen-Süd wird als „Grullbad“ bezeichnet, der östliche, an den Stadtteil Röllinghausen angrenzende Teil als „König Ludwig“. Er wurde mit mehrmaliger Unterbrechung von 1914 bis 1969 durch die Straßenbahn erschlossen.

AUFNAHME DES LINIENVERKEHRS

Am 26. Februar 1898 wurde der Linienverkehr aufgenommen.

Die Haltestellenabstände der Bahn waren anfangs zum Teil recht groß. Mit der Beschaffung vierachsiger Überlandwagen wurde der Wagenpark der Straßenbahn optimal auf die Anforderungen einer Städteverbindung mit großen Haltestellenabständen abgestimmt. Erst später beschaffte man eine Serie von Zweiachsern, die sich allerdings nicht bewährten.

Das Beitragsbild zeigt die Herner Endstelle der Straßenbahn Herne – Baukau – Recklinghausen in den ersten Betriebsjahren. Aufgenommen wurde es vermutlich im Frühjahr 1906 von der Fußgängerüberführung am Herner Bahnhof (Postkarte ohne Verlagsangabe – Sammlung Ludwig Schönefeld).

KRAFTSTATION

Der Betriebsmittelpunkt, die sogenannte „Kraftstation“, befand sich auf einem weitläufigen Grundstück in Recklinghausen-Süd an der heutigen Gasstraße, unmittelbar vor der Kreuzung mit der Anschlussbahn der Zeche König Ludwig auf der westlichen Straßenseite.

Wir sehen die Gesamtanlage hier auf einer sehr seltenen Postkarte aus der Sammlung von Heinz Staubermann und Jochen Weber.

Der mit einer Sichtfassade aus Ziegelmauerwerk errichtete Betriebshof verfügte über zwei Wagenhallen mit jeweils vier Hallengleisen. Darüber hinaus gab es auf dem Betriebshofsgelände eine Werkstatt.

Das von der Union Elektrizitätsgesellschaft Berlin gebaute Kraftwerk verfügte anfangs über zwei Dampfmaschinen mit einer Leistung von 90 und 120 PS zur Erzeugung des des Bahnstroms. 1910 wurden die Dampfmaschinen und Generatoren demontiert. Stattdessen bezog die Straßenbahn den Strom über eine Umformerstation vom Elektrizitätswerk Herne.

Vermutlich wurden die Hallen des Betriebshofes parallel zu den bis 1926 erfolgten Fahrzeugbeschaffungen in zwei Ausbaustufen auf der Westseite verlängert.

SEPARATER BAHNKÖRPER

In der Unteren Bahnhofstraße in Herne und im Verlauf der Strünkeder Straße in Baukau (inzwischen sind beide Straßen Teil der Herner Bahnhofstraße) lagen die Gleise der Straßenbahn auf der westlichen Seite im gewalzten Planum.

In Recklinghausen-Süd und Recklinghausen hatte man anfangs einen Oberbau gewählt, den auch Siemens & Halske in den Anfangsjahren für die Bochumer Strecken nutzte: Der Gleiskörper lag separat neben der Straße und wurde von dieser durch einen Bordstein abgetrennt.

Die nachfolgenden, historischen Postkartenmotive nehmen uns mit auf eine Reise von Recklinghausen-Süd in das Stadtzentrum von Recklinghausen, zur ursprünglichen Endstelle am Viehtor.

  • Wir beginnen die Reise von Recklinghausen-Süd zum Zentrum in Höhe der Lutherkirche (1919).
    Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund - Sammlung Ludwig Schönefeld

VERLÄNGERUNG ZUM MARKT

Am 1. November 1902 wurde die Verbindung in Recklinghausen vom Viehtor zum Markt verlängert. Hinter der Ausweiche am Viehtor wurde das Gleis auf der Westseite der Breitestrasse zum Markt geführt.

Diesen neuen Streckenabschnitt sehen wir auf der nachfolgenden, 1907 gelaufenen Postkarte (Postkarte ohne Verlagsangabe – Sammlung Ludwig Schönefeld). Sie zeigt Triebwagen 12, der soeben den Markt verlassen hat und jetzt in Richtung Herne fährt.

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