RECKLINGHÄUSER

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Die für die Straßenbahn Herne – Baukau – Recklinghausen beschafften Straßenbahnwagen waren echte Überlandwagen. Auf der Strecke von Recklinghausen nach Herne gab es vergleichsweise wenige Haltestellen. Zwischen diesen wurde zügig gefahren.

ERSTAUSSTATTUNG AUS HAMBURG

Die Erstausstattung der Bahn bestand aus vier, 1897/98 von der Waggenfabrik Falkenried in Hamburg gebauten Drehgestellwagen mit Maximum-Drehgestellen (Triebwagen 1 bis 4).

Die Substanz dieser Wagen blieb am längsten erhalten. 1927 wurden die Fahrwerke mit neuen Wagenkästen ausgestattet.

Bei der Vestischen Kleinbahnen GmbH erhielten die Triebwagen, die inzwischen die Wagennummern 201 bis 204 erhalten hatten, 1942 neue, zweiachsige Fahrgestelle. Auch der Wagenkasten wurde noch einmal modernisiert.

Triebwagen 201 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die übrigen drei Triebwagen durchliefen 1954 noch einmal einen Umbau. Dabei wurden die Führerstände etwas geräumiger.

Unter den Nummern 303 bis 305 kamen die drei Wagen wieder in Betrieb. Triebwagen 304 wurde 1961, Triebwagen 303 und 305 wurden 1962 ausgemustert.

LUFTIGES VERGNÜGEN

Den ersten Fahrzeugen folgten im Jahr 1900 weitere Vierachser (Triebwagen 5 und 8). Sie wurden von der Gottfried Lindner AG in Ammendorf bei Halle (Saale) gebaut.

Die neuen Fahrzeuge hatten einen Wagenkasten mit sieben Bogenfenstern und offene Plattformen.

Das Erscheinungsbild der ersten Lindner-Wagen war elegant. Aber es gab beträchtliche technische Mängel. Bis 1928 war die erste Generation der Lindner-Triebwagen bereits ausgemustert.

NOCHMALS FALKENRIED

1905 kamen nochmals zwei Triebwagen von der Waggonfabrik Falkenried (zunächst Triebwagen 14 und 15, ab 1908 Triebwagen 9 und 10). Sie hatten sieben Fenster und vollständig geschlossene Plattformen.

1939 wurden diese Falkenried-Triebwagen unter den Nummern 209 und 210 von der Vestischen Kleinbahnen GmbH übernommen. Triebwagen 209 wurde 1941 auf Grundlage des Reichsleistungsgesetzes als Kriegshilfe nach Teplice (damals Teplitz) abgegeben. Triebwagen 210 wurde zum Kriegsverlust.

BIS 1969 IM EINSATZ

1906 wurden weitere vier Triebwagen (Triebwagen 16 bis 19) an die Straßenbahn Herne – Baukau – Recklinghausen geliefert. Hersteller war nach älteren Angaben erneut die Waggonfabrik Lindner in Ammendorf. Neuere Veröffentlichungen deuten darauf hin, dass die Fahrzeuge von der Bergischen Stahlindustrie, vormals H. H. Böker in Remscheid gebaut wurden.

Die 1906 gelieferten Triebwagen 16 bis 19 erhielten bis 1928 die Nummern 5 bis 8 in Zweitbesetzung. Bei der Vestischen Kleinbahnen GmbH wurden sie unter den Nummern 205 bis 208 in den Wagenpark aufgenommen.

Triebwagen 205 und 206 wurden Anfang der 1940er-Jahre in Recklinghausen ausgemustert und verschrottet.

Triebwagen 207 und 208 gelangten 1941 mit Triebwagen 209 nach Teplice. Dort erhielten sie in Zweitbesetzung die Nummern 1 bis 3. Während Triebwagen 3 (ehemals 209) dort 1953 abgestellt wurde, wurden die Triebwagen 1 und 2 (ehemals 207 und 208) 1954 an die Waldbahn Hronec weitergegeben. Dort wurde der Personenverkehr 1967 eingestellt. Erst 1969 wurden die Wagen aus dem Ruhrgebiet verschrottet.

SCHWERE ÜBERLANDWAGEN

1908 und 1921 ergänzten jeweils zwei weitere Triebwagen den Wagenpark (1908: Triebwagen 11 und 12 = Vestische Kleinbahnen GmbH 211 und 212 / 1921: Triebwagen 13 und 14 = Vestische Kleinbahnen GmbH 213 und 214). Auch für diese Wagen wird in der Literatur als Hersteller die Waggonfabrik Lindner in Ammendorf genannt.

Obwohl die 1908 und 1921 gelieferten Triebwagen 11 bis 14 schwere Überlandwagen waren und sich im Betrieb sehr gut bewährten, wurden auch sie vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges ausgemustert und wahrscheinlich im Betriebshof Recklinghausen-Ost zerlegt.

14 BEIWAGEN

Neben den Triebwagen gab es insgesamt 14 zweiachsige Beiwagen. Die 1901 von Lindner gelieferten Beiwagen 51 bis 57 wurden zwischen 1928 und 1935 ausgemustert. Die 1919, 1920 und 1925 in drei Losen (3 / 3 / 2) von der Waggonfabrik Uerdingen gelieferten Beiwagen kamen unter den Nummern 257 bis 264 in den Bestand der Vestischen Kleinbahnen GmbH.

1958 wurden die Beiwagen 257 bis 260 sowie 263 und 264 von der Vestischen Straßenbahnen GmbH ausgemustert. Die Beiwagen 261 und 262 folgten 1961.

Zum Fahrzeugpark gehörten darüber hinaus eine 1924 von der Westfälischen Straßenbahn übernommene Straßenbahn-Güterlok (Nummer 101 = Vestische Kleinbahnen GmbH 1001, ausgemustert 1976) sowie mehrere Güterwagen für den Streckenbau, Kohletransporte oder andere Transportaufgaben.

KURZES INTERMEZZO

Neben den Vierachsern wurden 1905 fünf zweiachsige Triebwagen an die Straßenbahn Herne – Baukau – Recklinghausen geliefert, die jedoch bereits vor 1908 weitergegeben oder verkauft wurden. Herkunft und Verbleib dieser Wagen sind nicht bekannt.

HERUNTERGEWIRTSCHAFTET

Zum Zustand des Wagenparks der Straßenbahn Herne – Recklinghausen durch die Vestische Kleinbahnen GmbH schreibt das Unternehmen in der Jubiläumsschrift von 1951: „Der heruntergewirtschaftete Wagenpark … bestand nur noch aus drei einsatzfähigen Triebwagen und acht Beiwagen.“