ECHTE HERNER

Zum Betrieb der Straßenbahnlinie Herne – Kolonie Constantin IV/V wurden drei Straßenbahnwagen benötigt. Während die Straßenbahn der Stadt Herne auf das Personal, die Wagenhalle und die Werkstatt der Straßenbahn Herne – Sodingen zurückgreifen konnte, mußte sie für den Betrieb ihrer Linie einen eigenen Fahrzeugpark bereitstellen.

Dabei orientierte man sich an den Typen, die die Waggonfabrik Falkenried in Hamburg für die Kommunale Straßenbahn-Gesellschaft Landkreis Gelsenkirchen entwickelt hatte.

Im Gegensatz zu den Wagen der Kommunalen Straßenbahn, die über 18 Sitz- und 16 Stehplätze verfügten, wiesen die achtfenstrigen Wagen der Straßenbahn der Stadt Herne 24 Sitz- und 16 Stehplätze auf. Die Wagenlänge betrug 10,20 Meter, die Wagenbreite 2,10 Meter.

Au Wunsch des Verwaltungs-Ausschusses der Straßenbahn der Stadt Herne erhielten die Wagen einen hellgelben Anstrich, ähnlich dem der Straßenbahn  Herne – Baukau – Recklinghausen. Auf die Seitenwände wurde das Herner Stadtwappen auflackiert.

Bei der Straßenbahn der Stadt Herne wurden die Wagen unter den Betriebsnummern 1 bis 3 eingereiht. Die achtfenstrigen Straßenbahnwagen bewährten sich im täglichen Einsatz. Während dieser Typ jedoch für die Straßenbahn  der Stadt Herne und später für die Westfälische Straßenbahn nicht mehr gebaut wurde, beschaffte 1909 die Recklinghausener Straßenbahn bei der Waggonfabrik Falkenried für ihr Bottroper Netz noch einmal 13 dieser Fahrzeuge.

Ein weiteres Fahrzeug, Triebwagen 4, erhielt die Straßenbahn der Stadt Herne im Jahr 1910 für die Streckenerweiterung nach Gerthe. Dieser Wagen, den die Düsseldorfer Waggonfabrik Weyer nach dem Muster der im selben Jahr für die Straßenbahn Herne – Sodingen – Castrop  entwickelten Wagen,  gebaut hatte, kam jedoch auf der Strecke der Straßenbahn der Stadt Herne kaum zum Einsatz. Im Oktober 1911 wurde der Wagen gegen die Triebwagen 5 und 6 der Straßenbahn Herne – Sodingen -Castrop eingetauscht. Diese wurden unter den Nummern 4 (II) und 5 in den Bestand der Straßenbahn der Stadt Herne eingereiht. Hersteller war 1906 die Düsseldorfer Waggonfabrik Weyer.

1912 wurden alle Fahrzeuge der Straßenbahn der Stadt Herne von der Westfälischen Straßenbahn übernommen. Die Wagen 1 bis 3 erhielten die Betriebsnummern 14 bis 16. Unter den Nummern 17 und 18 wurden die Wagen 4 und 5 in den Wagenpark eingereiht.

Nach der Übernahme der Westfälischen Straßenbahn durch die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG wurden die zumeist im Güterverkehr als Zugmaschine eingesetzten und deshalb recht abgewirtschafteten Wagen 17 und 18 ausgemustert. Die Falkenried-Wagen behielten zunächst die Nummern 13 bis 16.

Triebwagen 14 (später 20) wurde 1944 bei einem Luftangriff in Witten schwer beschädigt, konnte aber in der eigenen Werkstatt wieder aufgebaut werden. Er war noch bis 1958 im Einsatz. Auf den Fahrgestellen der beiden übrigen Wagen wurden 1954 neue Einrichtungswagen aufgebaut.