HOHE PROFITABILITÄT

Die neue Verbindung entwickelte sich entgegen aller Erwartungen der potentiellen Investoren aus der Privatwirtschaft hervorragend. 1905 ist die Strecke mit einer Verzinsung von 13,21 Prozent eines der profitabelsten Straßenbahnprojekte im Ruhrgebiet. Trotz allgemein schlechter Verhältnisse wird 1908 eine Verzinsung von 8,4 Prozent erzielt.

Man könnte annehmen, das dazu die gute Entwicklung der durch die Strecke erschlossenen Bergwerke beigetragen hätte. Dies waren die 1873 abgeteufte Zeche General Blumenthal in Recklinghausen (eingestellt 1992) und die 1872 abgeteufte, etwas weiter südlich gelegene Zeche König Ludwig (eingestellt 1965).

So war es nicht. Die die Zechen spielten, da die Bergleute meist in eigenen Siedlungen lebten, für das Verkehrsaufkommen in der damaligen Zeit keine große Rolle.

Vielmehr war es der Verkehr zwischen Recklinghausen und Herne selbst, der den Erfolg ausmachte: Seit der Eröffnung der Verbindung zum Bahnhof Recklinghausen waren 79 Prozent der Fahrgäste die Gesamtstrecke zwischen den Bahnhöfen. Die Verbindung von Recklinghausen nach Wanne war trotz des notwendigen Wechsels in Herne auf die Eisenbahn mit der Straßenbahn Herne – Baukau – Recklinghausen deutlich schneller zu bewältigen als über die Direktverbindung mit der Straßenbahn Recklinghausen – Herten – Wanne. 1907 zogen rund 24.000 Personen zwischen Recklinghausen und Wanne die Umsteigeverbindung vor.

VERGNÜGUNGSVERKEHR

Eine weitere wichtige Einnahmequelle war der „Vergnügungsverkehr“ über Herne in die Einkaufszentren in Bochum und Dortmund. Dr. Ferdinand Schöningh schreibt dazu in seiner 1910/11 abgefassten Dissertation zu den Kleinbahnen im rheinisch-westfälischen Kohlerevier:

„Zum besseren Einkauf fährt man von Herne (auch von Recklinghausen her) mit der Staatsbahn nach Dortmund oder Bochum. Nach Bochum ist außerdem durch die Straßenbahn Herne – Bochum eine bequeme Verbindung geschaffen. … Der Vergnügungsverkehr geht natürlich auch nach Herne oder vielmehr über Herne und ist an Sonntagen außerordentlich stark. (An Sonntagen fahren häufig 4 Wagen unmittelbar hintereinander!).“

Die ersten Beförderungsleistungen sind aus dem Jahr 1906 bekannt. Damals beförderte die Bahn 1,9 Millionen Fahrgäste. Ein Höchststand wurde 1928 mit rund 3,4 Millionen Fahrgästen erreicht.

SCHLOSS STRÜNKEDE

Ein beliebtes Ausflugsziel war bereits um die Jahrhundertwende Schloss Strünkede in Baukau, das wir oben auf einer Postkarte des Herner Fotografen Franz Kraft sehen (Sammlung Ludwig Schönefeld). In Höhe des auf das Jahr 1243 zurückgehenden Wasserschlosses befindet sich heute der nördliche Endpunkt der U-Bahn-Linie U 35.

Auf der hier als Beitragsbild gezeigten Postkarte und der nachfolgenden Ausschnittsvergrößerung (Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld) sehen wir einen Straßenbahnwagen auf der Strünkeder Straße. Sie war 1904, als die Postkarte produziert wurde, noch eine baumbestandene Allee.

Baukau war damals noch selbständig. Der Straßenbahnwagen steht an der Ecke Bismarckstraße.

Das auf dem Beitragsbild ganz links abgebildete Gebäude ist das 1897 errichtete Amtshaus des Amtes Baukau. Am 1. April 1908 wurden die Landgemeinden Baukau und Horsthausen, die bis dahin zum Landkreis Bochum gehörten, nach Herne eingemeindet.

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