INBETRIEBNAHME

DIESE WEBSITE BEFINDET SICH IM AUFBAU.
TEXTE UND FOTOS WERDEN FORTLAUFEND EINGESTELLT.


Die Entscheidung der Magistrats der Stadt Herne vom 12. November 1907 schaffte die rechtliche Grundlage für den Bau der Straßenbahn von Herne zur Kolonie Constantin. Im Gegensatz zu den Projekten privater Unternehmen konnte mit dem Bau umgehend begonnen werden. Abklärungen bezüglich der Mitbenutzung städtischer Verkehrswege, die den Bau zahlreicher Straßenbahnen im Ruhrgebiet verzögerte, waren bei der Straßenbahn der Stadt Herne nicht erforderlich.

Die Genehmigung des Ministers für öffentliche Arbeiten, zu dessen Ressort die Straßenbahnen gehörten, war so gesehen fast nur noch eine Formsache. So konnte die Stadt Herne schon vor der offiziellen Genehmigung am 24. Juni 1908 mit den Bauvorbereitungen beginnen.

Eine Bau-Deputation, der neben Vertretern der Stadt auch der Direktor der Straßenbahn Herne – Sodingen angehörte, vergab die Aufträge. Wie schon beim Bau der Straßenbahn von Herne nach Sodingen wurden auch beim Bau der Straßenbahn der Stadt Herne die örtlichen Unternehmen bevorzugt. Am 6. Mai 1908 wurden die ersten Aufträge vergeben.

Für Kostenvorteile sorgte die Anlage der Straßenbahn in Verbindung mit dem Ausbau der Wiescherstraße. So mußte die Straße nur einmal vermessen werden. Der Unterbau wurde von Anfang für die Belastung durch den Straßenbahnverkehr ausgelegt.

Die neue Strecke zweigte an der evangelischen Kirche in Herne vom Gleis der Straßenbahn Herne – Sodingen ab. Von dort verlief das Gleis zunächst auf der nördlichen Seite des Steinweges, um dann in der Wiescherstraße die Straßenmitte einzunehmen. Ausweichen gab es im Steinweg, auf der Wiescherstraße in Höhe des Friedhofes und einige Meter vor der Endstelle an der Einmündung der Kronenstraße in der Kolonie Constantin. Dort endete die Linie stumpf auf der Wiescherstraße in Straßenmitte.

Die Genehmigungsurkunde des Regierungs-Präsidenten für die neue Nahverkehrsverbindung wurde der Stadt Herne am 11. September 1908 auf die Dauer von 50 Jahren ausgestellt.

Am 21. Oktober 1908 um 15 Uhr fand die landespolizeiliche Abnahme der Strecke statt. Nachmittags um 16 Uhr wurde die Straßenbahn dem öffentlichen Verkehr übergeben.

Hier sehen wir das Beitragsbild des vorigen Kapitels aus dem Bildarchiv der Stadt Herne in der ursprünglichen Größe. Das links vollkommen im Schatten stehende Gebäude ist das Evangelische Krankenhaus. Eine deutlich bessere Perspektive wählte der Fotograf des Herner Verlages Otto Schwuchow für die nachfolgende, 1917 gelaufene Postkarte (Sammlung Ludwig Schönefeld). Im Vordergrund sind die Masten und ein kurzes Stück Gleis der Straßenbahn zu erkennen.

ERSTE BETRIEBSERFAHRUNGEN

Für den Betrieb der Straßenbahn der Stadt Herne war die Straßenbahn Herne – Sodingen verantwortlich. Sie stellte auch das Personal.

Fahrpreise und Fahrzeiten der Straßenbahn der Stadt Herne wurden zunächst probeweise festgesetzt. Dabei hatte man sich an den Gepflogenheiten bei der Straßenbahn Herne – Sodingen orientiert. Haltestellen waren im Steinweg an der evangelischen Kirche, sowie in der Wiescherstraße vor dem evangelischen Krankenhaus, am Friedhof und in der Kolonie Constantin IV/V.

Die Linie Herne – Kolonie Constantin IV/V verkehrte tagsüber im im Zehn-Minuten-Takt. Der erste Wagen verließ die evangelische Kirche in Herne um 7 Uhr morgens. Ab 22 Uhr fuhren die Straßenbahnen nur alle 20 Minuten. Der letzte Wagen fuhr von der Kirche am Abend um 23 Uhr in Richtung Betriebshof. Die Mitnahme von Fahrgästen von und zum Betriebshof der Bahn in Sodingen war nicht gestattet.

Die Fahrtzeit von der Kirche bis zur Kolonie Constantin betrug zehn Minuten. Fahrscheinblocks, Schüler- und Monatskarten wurden im Büro der Straßenbahn der Stadt Herne am Grenzweg, in der Herner Stadthalle und bei den Schaffnern im Wagen verkauft.

Rund 300.000 Personen wurden im Kalenderjahr 1909 von der Straßenbahn der Stadt Herne befördert. Pro Wagenkilometer nahm das kommunale Unternehmen 28,15 Pfennig ein.

Der Reingewinn betrug 2,74 Prozent der Anlagekosten. Die Einnahmen konnten jedoch die Ausgaben für Verzinsung und Tilgung nicht ganz decken.