ÜBERBLICK

Herne, das war zu Beginn des 19. Jahrhunderts  nicht mehr als ein unbedeutendes Dorf im Emscherbruch. Die Menschen lebten vor allem von der Landwirtschaft. 1818 zählte die Gemeinde 749 Einwohner.

Nicht unbedeutend war die verkehrsgeographische Lage der Ortschaft. Seit dem Mittelalter berührten sich zwei Verkehrswege, von Süden und Südosten kommend, im Norden der Herner Gemarkung. Einen halben Kilometer liefen sie gemeinsam, um sich dann wieder nach Norden und Nordwesten zu trennen.

Die Süd-Nord-Straße führte von Köln über Blankenstein, Bochum, Herne, Haltern und Münster zur Nordsee. Von Westen nach Osten verlief die zweite Straße. Von Holland kommend folgte sie dem unteren Lippetal bis Dorsten, um dann über Buer-Crange und Herne den Hellweg zu erreichen. Über Dortmund zogen die Kaufleute weiter bis an die Weser.

PERSONENPOST BOCHUM – HERNE

Ein regelmäßig verkehrendes öffentliches Verkehrsmittel gab es bis weit in das 19. Jahrhundert hinein nicht. Erst 1836 wurde eine Personenpost zwischen Bochum, Herne und  Recklinghausen eröffnet. Sie nahm keinesfalls den direkten Weg zwischen Bochum und Herne,  sondern rollte zunächst von Bochum dem Castroper Hellweg folgend nach Hiltrop und von dort über die spätere Wiescherstraße durch die Herner Mark nach Herne.

Symbolisch für die Personenpost ist das Titelbild dieses Kapitels: Es zeigt einen der letzten Pferdeomnibusse auf der Verbindung von Bochum nach Herne (Bildarchiv der Stadt Herne).

1875 berichtete der evangelische Pastor Dransfeld in seiner  „Geschichte der evangelischen Gemeinde Herne“ über eine Kutschfahrt: „Die Personenpost nahm damals ihren Weg von Bochum aus bei Hiltrop vorbei durch die Herner Mark. Bei schlechtem Wetter war derselbe aber völlig grundlos, so daß der große Postwagen nicht allein unzählige Male umstürzte, sondern auch völlig im Schlamm stecken blieb, aus welchem er erst durch Vorspann aus Herne befreit werden konnte.“

Die Personenpost konnte schon bald nach ihrer Eröffnung eine besser befestigte Straße befahren. Zwischen 1839 und 1841 wurde eine Chaussee von Bochum über Riemke und Herne nach Recklinghausen gebaut. Sie entwickelte  sich schnell zu  einer Hauptverkehrsader, weil sie Bochum und Herne auf dem direkten Weg verband. Der alte Weg über Hiltrop wurde erst mit dem Bau der Straßenbahn der Stadt Herne im Jahr 1908 befestigt.

HERNE UND DIE EISENBAHN

Hernes beispielloser Aufstieg zur Industriestadt vollzog sich, nachdem am 15. Mai 1847 die Köln-Mindener-Eisenbahn-Gesellschaft etwa einen Kilometer südlich des Dorfes Herne eine Bahnstation eröffnet hatte. Eine Zeitlang hieß diese Station „Herne-Bochum“. Bis zum Jahr 1850 wurde die Strecke der Köln-Mindener-Eisenbahn  zweigleisig ausgebaut.

Die Nachbarstadt Bochum erhielt erst Jahre später eine Bahnstation, als die Bergisch-Märkische-Eisenbahn-Gesellschaft am 26. Oktober 1860 ihre Strecke Bochum – Witten in Betrieb nahm.

Am 28. Mai 1870 wurde eine zunächst nur für den Güterverkehr bestimmte Bahnlinie der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn von Bochum über Riemke nach Herne eröffnet. Nach dem 1. Januar 1873 wurde sie auch für den Personenverkehr genutzt, der jedoch 1896 zugunsten der Straßenbahn Bochum – Herne eingestellt wurde.

Am 11. November 1868 beantragte die Köln-Mindener-Eisenbahn die Konzession zum Bau einer Bahn durch das Emschertal von Meiderich über Sterkrade, Schalke, Wanne, Herne, Castrop und Marten nach Dortmund. Am 1. Dezember 1874 wurde die „Emschertalbahn“ auf dem Teilstück Herne – Börnig – Castrop für den Güterverkehr eröffnet.

Zwischen Wanne und Herne wurde das bereits seit 1874 bestehende Gleis der Köln-Mindener-Eisenbahn benutzt. Personenverkehr gab es seit dem 1. April 1878.

Die Züge der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn rollten am 10. Januar 1876 auf einer weiteren Eisenbahnlinie für den Güterverkehr von Herne über Crange, Bismarck und Katernberg-Nord nach Oberhausen. Am 21. Juni 1889 fuhr auf dieser Strecke der erste Personenzug.

Die Westfälische Eisenbahn erhielt am 17. Juni 1874 die Baugenehmigung für eine Bahn von Dortmund über Bodelschwingh, Herne und Bismarck nach Sterkrade. Sie wurde am 20. August 1879 in Betrieb genommen. Nach der Verstaatlichung des Eisenbahnwesens wurde sie bereits am 1. Juli 1882 wieder stillgelegt.

Das „alte“ Herne, ohne Wanne-Eickel, hatte zunächst vier Bahnhöfe.

Die Station der Köln-Mindener-Eisenbahn an der Chaussee Bochum – Herne – Recklinghausen, an dem sich die Köln-Mindener-Eisenbahn und die Emschertalbahn trafen, wurde zum wichtigsten Herner Bahnhof.

Der Personenbahnhof der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn an der Strecke Herne – Bochum am Ende der Von-der-Heydt-Straße wurde 1896 stillgelegt. Zuvor hatte man bereits den Güterbahnhof dieser Strecke im Rottbruch aufgegeben.

Der Bahnhof der 1882 stillgelegten Westfälischen Eisenbahn lag an der Bahnhofstraße, etwa dort, wo heute der Emscherschnellweg (Autobahn 42) die Straße überquert. Die Bahntrasse verschwand, als zwischen 1892 und 1898 der Herner Hafen als Endhafen des Dortmund-Ems-Kanals ausgehoben wurde. Erst beim Bau des Emscherschnellweges in den 1970er-Jahren wurde der Herner Hafen zugeschüttet.

GROSSZECHEN TREIBEN WACHSTUM

Insgesamt sechs Großzechen teuften bis zur Jahrhundertwende auf Herner Gebiet Schachtanlagen ab. Sie zogen Menschen aus allen Teilen Deutschlands in das Ruhr-Revier.

Die Bevölkerung des Dorfes Herne stieg von 938 Menschen vor der Eröffnung der Eisenbahn (1843) auf 33.266 im Jahr 1905. Bezieht man die später nach Herne eingemeindeten Gemeinden mit ein, so stieg die Bevölkerung von rund 2.300 Menschen im Jahr 1843 auf 60.503 im Jahr 1925.

In Wanne-Eickel gab es insgesamt 20 Schachtanlagen der Zechen Königsgrube, Hannibal, Pluto, Unser Fritz und Shamrock.

DIE VERWALTUNG DES REVIERS

Um die Entwicklung des Pesonennahverkehrs in Herne und Wanne-Eickel historisch einordnen zu können, ist es wichtig, einen Blick auf die Verwaltungsstrukturen des Reviers zu werfen.

Nach der Niederwerfung Napoleons im Krieg gegen Preußen wurden die Provinzen Rheinland und Westfalen auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1815 Preußen zugeteilt. Ein Jahr später schuf die preußische Regierung die Regierungsbezirke Kleve, Düsseldorf, Arnsberg und Münster im heutigen Ruhrgebiet. Die im heutigen Gebiet der Städte Bochum, Gelsenkirchen und Herne liegenden Gemeinden gelangten zum Regierungsbezirk Arnsberg.

Ebenfalls 1816 wurde im Regierungsbezirk Arnsberg der Landkreis Bochum gegründet, von dem am 1. April 1887 der Landkreis Gelsenkirchen abgetrennt wurde. Herne gehörte weiterhin zum Landkreis Bochum.

Am 1. April 1907 wurde Herne kreisfreie Stadt. In den folgenden Jahren wurde das Stadtgebiet durch Gebietsreformen vergrößert: Baukau  und Horsthausen wurden am 1. April 1908 eingemeindet, Teile von Bladenhorst, Riemke, Eickel und Wanne am 1. April 1926. Zwei Jahre später folgten die Gemeinden Börnig, Sodingen sowie Teile von Castrop-Rauxel und Holthausen.

Mit der Eingemeindung von Teilen Gerthes nach Herne am 1. August 1928 wurden die Gebietsreformen vor dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen.

Die Gemeinde Gerthe war bis zum August 1929 selbständig. Die benachbarten Kommunen Bochum und Herne versuchten gleichermaßen, Gerthe enger an ihr Stadtgebiet anzubinden. Ein Teil der Herner Bemühungen war der Bau der Straßenbahnlinie Herne – Gerthe.

Mit der Kommunalreform von 1974 wurde die westliche Nachbarstadt Wanne-Eickel zum 1. Januar 1975 nach Herne eingemeindet.