VESTISCHE KLEINBAHNEN

Am 2. Juni 1923 wurde die Betriebsführung von den Anteilseignern an die Vestische Kleinbahnen GmbH übergeben. Das im Stadtarchiv Gladbeck erhaltene Beitragsbild entstand vermutlich aus diesem Anlass. Die Straßenbahnwagen tragen noch die seit der Einführung des Gemeinschaftsverkehrs 1921 verwendete Linienbezeichnung „A“.

Die Vestische Kleinbahnen GmbH war am 25. Mai 1915 aus den Recklinghausener Straßenbahnen hervorgegangen.

In den auf die Übernahme der Betriebsführung folgenden Jahren wurde die Strecke zwischen Herne und Recklinghausen durchgehend zweigleisig ausgebaut.

Das Streckenstück nördlich des Betriebshofes bis zur Zeche General Blumenthal blieb bis zur Einstellung des Straßenbahnbetriebes als Überlandstrecke erhalten.

Auch im Zentrum von Recklinghausen wurden die Gleisanlagen neu gestaltet. Die 1902 und 1905 eröffnete, eingleisige Innenstadtverbindung über die Breitestrasse, den Markt und die Kunibertistraße wurde bis 1925 zugunsten einer neuen Streckenführung von der Herner Straße über den Kaiserwall zum Recklinghauser Hauptbahnhof aufgegeben. Diese neue Trasse sehen wir auf der nachfolgenden, 1940 produzierten Postkarte (Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld).

GEMEINSCHAFTSVERKEHR

Im Zusammenhang mit dem Aufbau weitläufiger Gemeinschaftsverkehr im mittleren Ruhrgebiet vereinbarten die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG und die Straßenbahn Herne – Recklinghausen ab dem 15. November 1927 einen Gemeinschaftsverkehr zwischen Herne und Hattingen. Die Fahrzeuge der Straßenbahn Herne – Recklinghausen fuhren dabei als Linie 8 a bis zum Bahnhof Bochum-Süd.

Am 20. Juni 1928 wurde dieser Gemeinschaftsverkehr im Norden bis Recklinghausen ausgeweitet. Damit erreichte jetzt auch die von der Bochum-Gelsenkirchener Strassenbahnen AG betriebene Linie 8 den Hauptbahnhof in Recklinghausen.

Die Linienbezeichnung „8 a“ war eine Art Hilfestellung für die Fahrgäste. Sie kombinierte die Bochumer Liniennummer 8 mit dem zuvor von der Straßenbahn Herne – Recklinghausen verwendeten Buchstaben A. In Abgrenzung zu der in Bochum verkehrenden Linie A der Westfälischen Straßenbahn GmbH wurde die Buchstabe klein geschrieben.

1938 wurde die Linienbezeichnung „8a“ aufgegeben und durch die Linienbezeichnung 18 ersetzt.

Das nachfolgende Bild, eine Postkarte aus dem Verlag Hermann Lorch, Dortmund, aus dem Frühjahr 1932 zeigt einen Triebwagen der Straßenbahn Herne – Recklinghausen auf der Fahrt von Recklinghausen nach Bochum (Sammlung Ludwig Schönefeld).

VERKAUF AN DIE VESTISCHE

Am 28. Oktober 1939 wurden Anlagen und Fahrzeuge an die Vestische Kleinbahnen GmbH verkauft. Die 80 Beschäftigten des Unternehmens wurden übernommen. Die Gesellschaft wurde daraufhin aufgelöst. Der Betriebshof an der Bochumer Straße wurde stillgelegt. Die Gebäude wurden in den folgenden Jahren weiterhin durch das Gaswerk genutzt. Im Volksmund erhielt sich über Jahrzehnte die aus den ersten Jahren der Straßenbahnzeit stammende Bezeichnung „Kraftstation“.

Im Dezember 1939 wurde der Gemeinschaftsverkehr mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG eingestellt.

Das Streckenstück zwischen der Einmündung der Bismarckstraße in Baukau und dem Herner Bahnhof wurde im Tausch gegen die Endstelle in Buer von der Vestischen Kleinbahnen GmbH auf die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG übertragen. Es wurde jedoch weiterhin bis zum Bahnhof von den aus Recklinghausen kommenden Wagen genutzt.

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